Mach Mal Langsam, Kulturpark & Kreativfabrik, Wiesbaden

Mach Mal Langsam, Kulturpark & Kreativfabrik, Wiesbaden 


Selten hatten wir in Wiesbaden das Glück bei sommerlichem Wetter eine Freiluft Party durchziehen zu können. Erfreulich, wie gut unsere Out- und Indoor Aufteilung des Partygeschehens angekommen war. Ab 17 Uhr hatten DJ Danke und Michalis Boumbalis das musikalische Ruder unter freiem Himmel in der Hand. Abwechselnd und nacheinander wurde der passende Tune, also die Schwingung eines Musikstückes an sich ausgewählt und bestmöglich, ganz geschmeidig in das aktuell laufende, das Publikum beschallende Lied miteingemischt. In Kurzer Zeit war die Grünfläche zwischen dem 3-Holm Tipi, von hier spielte die Musik, und den zu einem kunterbunten Bienenhotel umgebauten Schiffscontainer mit entspannten Besuchern gefüllt. Vergleichbar mit der Musikauswahl vom DJ- Team, so waren auch die Gäste mit unterschiedlicher “suburbaner” Gesinnung, Alter oder Herkunft. Die einen waren Teenager aus der Gegend und die anderen waren alte Säcke, angereist aus der tiefen Pfalz. Der Klamotten- Stil deutete hier vom Punker hin zum Reggae -Styler über den Psytrance Freak zum Technoheimer oder einfach ein Normalo ohne besondere Ausdruck in seinem Wesen.
Mach Mal Langsam, Kulturpark & Kreativfabrik, Wiesbaden
Richtung Abenddämmerung übernahm unser Gast aus Frankfurt, das musikalische Kommando. Ahoi und schön das du da gewesen warst, Kurt Adam ! Sein Tempo war etwas zügiger als unseres und mit dem charmanten Moment des sich zum Ende neigenden Tages, verziehrt mit einem rötlich blauen Himmel, wurde auf einmal überall ausgelassen getanzt.
Ein magischer Moment, war der treffende Ausdruck für so eine feiertechnisch solide Situation. Unaufhaltsam wurde es dunkel, die Farbe unserer Gesichter und Kleidung verblasste immer mehr und gleich war es Nacht. Plötzlich sind ein paar Gestalten der Nacht aufgetaucht oder war es nur ein Augenflimmern, ausgelöst von dem langen und anstrengenden Sonnentag ? Nein, dort hinten vor dem noch tiefbläulich schimmernden Horizont turnten ein paar Nachtkatzen mit ihren Klapperkästen und Metallschellen herum. Es war unheimlich und auch spannend was sie jetzt wohl machen werden!?
Mach Mal Langsam, Kulturpark & Kreativfabrik, Wiesbaden
Es waren viele von Ihnen, einige sind auf die Container oder andere Bauten gestiegen. Nun hatten sie sie uns schwer verständliche Worte zugezischelt, in etwa eine Anweisung in die Kreativfabrik zu gehen und dort mit dem nächsten Teil der Party zu starten. Viele waren dem auch gefolgt und wir hatten uns später unten in der Krea wiedergesehen. Die Performance von dem
Korrektiv Launisch war in diesem, dem richtigen Moment, absolut gelungen.
Zum Ausruhen von dem langen Tag blieb mir aber leider keine Zeit mehr. Oriental Tropical steht als Start Act der Nacht auf dem Timetable und schon schallte die Stimme meines Kollegen Jahneck an mein Ohr: “Hop Hop, der Dancefloor in der Krea ist schon gut gefüllt und unsere Gäste wollen musikalisch von uns unterhalten werden. Noch hatten wir 15 Minuten Zeit bis unsere vom Aufnahmerekorder stammende “Vorspannmusik” beendet war.” Was für eine schockierende Ansage, dachte ich mir. Eigentlich wäre jetzt
mal eine Runde richtig abchillen angesagt. So mit Limonade, Sandwich, Obst, nix tun und so. Aber wir beeilten uns, denn es durfte ja keine Pause mit ohne Musik auf dem Tanzboden entstehen! In so einer Situation, wenn der Dancefloor schon vor dem Beginn der Party gefüllt war, konnte sich ein DJ, sofern er in einem entsprechenden Rahmen blieb, fast ganz frei entscheiden, mit welchem Musikstück es losging. Die Leute gingen meißtens gleich mit, es sei denn man verpatzte es auf irgendeine Art. Daher nun meine Wenigkeit on Stage in Richtung Bühnenvorderseite am Mischpult stand und erwartungsvoll vom Publikum angesehen wurde, musste ich zügig die Wahl des ersten Titels treffen. Ungünstig für mich war es schon meine von dem langen Tag in der Sonne durchgegarte Birne zwischen den Schultern zu tragen. Präzise nachdenken war auch nicht mehr drin. Sie half mir überhaupt nicht weiter. Intuitiv fiel meine Wahl auf langsame, sanft magisch anmutende und Tiefbass betonte Stimmungsbilder im langsamen 4/4tel Takt. Wir alle waren damit direkt auf Betriebstemperatur und feierten den Eröffnungsmoment des zweiten Teiles. Insgesamt blieben mir diese gemeinsamen 3 Stunden laute Musik hören und genießen als eine Art Zuckerwatte- Experience in Erinnerung.

Mach Mal Langsam, Kulturpark & Kreativfabrik, Wiesbaden
Nach uns war der Liveact von Robert Fischer an der Reihe. Mir wurde gutes davon Berichtet. Aber weil es drinnen sehr warm und stickig war, ging es für mich gleich nach oben an die frische Luft, die erste wirklich warme Sommernacht 2017 in Wiesbaden genießen. Der gesamte Platz vor der Krea und auch um die Ecke bei der Skatehalle war bunt bevölkert. Jede Gruppe genoss diesen Moment für sich und auch mit allen anderen zusammen. An einem Spot war viel Sand aufgeschüttet und so kam es schnell zu einer ganz anderen Atmosphäre als zuvor auf der Wiese an den Gleisen oder dem Club im Untergeschoss. Hier war Strandurlaub angesagt, eine fantastische Wendung. Diesen Überraschungsmoment konnte man nicht planen. Sehr erfreut hatte es mich obendrauf einen alten Bekannten wiederzusehen. Milosh stammte aus dem ehemaligen Staatsgebiet Yugoslawien. Ich erwähne seine Herkunft so deutlich, damit die Wirkung von den speziellen Details klarer dargestellt werden kann. Seine Gitarrenmusik hatte das potential dieses Happenings genau getroffen. Er performte Lieder in seiner eindrucksvollen theatralischen Manier, hier mal ähnlich wie Jim Morrisson von the Doors, beim nächsten Stück war er bei ergreifend dramatischem Blues von Darko Rundeck. Es war eine ergreifend trippige Showeinlage auf der emotionalen Ebene, das kannte ich so noch nicht, Bravo !
Im Club behandelte mittlerweile Claus Fussek den Dancefloor mit unbeschreiblich exotischen Rhythmen aus einer ganz anderen Welt. Passend dazu kam es bei mir zu einem Filmriss.
Danke für die schöne gemeinsame Zeit !

Bericht von Michalis Boumbalis 24.06.2017